Am 30. Juli 2011 wurde der Swiss Alpine zum 26. Mal ausgetragen. Für mich die 5. Teilnahme über die Königsdisziplin, den K78. Nach vielen kleineren Änderungen der Laufstrecke in den vergangenen Jahren, wurde dieses Jahr die so genannte Schlechtwettervariante gelaufen. Das bedeutet, statt nach der Keschhütte über den Panoramatrail zum Scalettapass, ging es über den Sertigpass. . Was den Vorteil bei schlechtem Wetter bei dieser Streckenvariante ausmacht, bleibt mir verborgen. Höchstens, dass man sich etwas weniger lang in hochalpinem Gelände aufhält. Anderseits kommt man beim Sertigpass auf über 2739 Meter über Meer. Das ist schon mal höher, als die Schönwetterstrecke. Und den Abstieg kann ich keineswegs als besser begehbar bezeichnen.

Das Wetter hat sich jedenfalls angepasst und war in den Höhenlagen sehr unangenehm. Eiskalter Wind mit Regenschauern. Glücklicherweise gab es auf der Keschhütte Plastikmäntel, die den schlimmsten Wind etwas abhielten.

Das macht die Professionalität dieser Veranstaltung aus, auf solche Gegebenheiten vorbereitet zu sein.  Ein Rucksack mit wärmerer Kleidung oder zumindest eine umgehängte Jacke, wären sicherlich Sache der Teilnehmer gewesen. So war ich, nur mit Ärmlingen ausgerüstet, froh über den angebotenen Friesennerz.

Start war auf 7 Uhr vorverlegt und gleichzeitig das Zeitlimit für den K78 auf 14 Stunden verlängert. Zusammen mit den Läufern des C42 und C30 war ein stattliches Starterfeld angetreten.

Hatte schon frühzeitig Schmerzen auf dem rechten Fuß, dort wo ich den Zeitnahmechip angebracht hatte. Dass das die Ursache für die Schmerzen waren, bemerkte ich erst nach dem Lauf. Das Endstück von dem Kabelbinder, der den Chip mit den Schnürsenkeln verband, drückte auf den Fuß. Schlimmer Anfängerfehler!

Nach Filisus erreichen wir den tiefsten Punkt der Strecke, knapp 1000 Meter über Meer und die K78 Läufer sind nun unter sich. Der C30 endet in Filisur und der C42 biegt Richtung Tiefencastel ab. Bis nach Bergün läuft man auch auf veränderter Strecke, statt der Straße entlang in den Wald. Damit sind schon mal einige Höhenmeter mehr zu bewältigen und man brauch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man vom Lauf- in den Wanderschritt übergeht.

Stimmungsvoller Empfang in Bergün, wo auch der Start für den K42 ist. Nun geht es eigentlich erst richtig los  für die Läufer des K78. Der Aufstieg zur Keschhütte, dem Kulminationspunkt der Strecke. Zuerst ist die Steigung noch moderat. Jedoch mit einem Marathon bis dahin in den Beinen ist Wanderschritt angesagt. In Chants noch eine Verpflegungsstation und dann geht es die letzten 700 Höhenmeter richtig steil bergauf.

Auf der Keschhütte (2632 m) ist Zeitnahme und Verpflegung. Jonas Buud wird als Sieger des Swiss Alpine angesagt. Er ist bereits zurück in Davos. Weiter geht es zur Platta Nair (2397 m) und hinauf  zum Sertigpass (2739m). Auf den ca. 5 Km zwischen Keschhütte und Sertigpass ist es ein Berpfad mit Steinen und Geröll. Viele kleine Bäche sind zu überwinden, die, nach dem vielen Regen in diesem Sommer, sich den Weg durch das Hochgebirge suchen. Daniela und Cecil überholen mich.

Der Abstieg vom Sertigpass ist für mich, der ich überhaupt erst nach meinem 40. Lebensjahr so einen Bergweg begangen bin, entsprechend beschwerlich, zumal mit fast 60 km in den Beinen und trotz Regenschutz  noch immer durchgefroren. Traditionell verliere ich dort viel Zeit und muss etliche Läufer überholen lassen. Auch Esther, die zum ersten Mal den Swiss Alpine läuft.

Im Sertigtal werden die Wege breiter, sind aber immer noch matschig. Auf  einer Kuhweide verliert Daniela einen Schuh. Man könnte freilich auch auf der parallel verlaufenden Asphaltstraße laufen. Aber schließlich läuft man einen alpinen Lauf und keinen Stadtmarathon.

Weiter geht es auf einem kleinen Weg durch den Wald, der wellig ist und mit den vielen Wurzeln und Steinen nochmals volle Konzentration verlangt. Nach Clavadel werden die Wege wieder breiter. Ich staune, dass ich sogar die teilweise giftigen Gegensteigungen joggen kann. Bergab rollt es  richtig gut. Nichts zu spüren von über 70 zurückgelegten Kilometern. Ein Blick auf die Uhr und ich sehe sogar noch die Chance unter 10 Stunden zu bleiben.

Aus dem Wald heraus stehen immer mehr Zuschauer. Am Golfplatz vorbei, durch den Eisenbahntunnel und dann rechts kann ich das Stadion schon sehen. Dichtes Zuschauerspalier, noch die letzte halbe Runde, dann das Ziel. Endlich! Geschafft!

Die 10 Stunden habe ich nicht mehr unterbieten können. Egal, die Strecke war auch länger (nach meiner Uhr fast 80 Km) und sicherlich schwerer als die alte. Das schlechte Wetter, ausgerechnet in den Höhenlagen, war sicher auch ein Handicap.

Insgesamt ein Lauf. der Nahe der Perfektion organisiert ist. Das hat freilich einen stolzen Preis. Wenn man das integrierte Schweizer Bahnbillett und den Aufwand der Strecke, bei der Verpflegung teilweise mit dem Helikopter transportiert werden muss, einrechnet, stimmt das Preis-Leistungsverhältnis.

Peter Nußeck

 

Daniela 9:30,54 Patz 30

Peter 10:00,18 Platz 355

Weitere:

Peter Steffen 8:39,41 Platz 106

Torsten Knesebeck 8:44,19 Platz 119

Cecil Danao 09:37,11 Platz 35 AK 3.

Esther Maurer 09:51:52 Platz 39

K42:

Silvia Burri  5:36,19 Platz 84

Rangliste

 

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