Rennsteiglauf Supermarathon 2007

Ein Laufbericht von Haferschleim und biertrinkenden Top Läuferinnen.

Der Haferschleim beim Rennsteiglauf ist sensationell. Besonders die dünne Variante mit Heidelbeeren aus dem Thüringer Wald war unterwegs ein Genuss. Der Schleim, leicht bekömmlich und gesund, ist eine leckere Alternative zu industriellem High-Tech-Food als Verpflegung.Daniela Nusseck-Haller

Kurz nach 3 Uhr in der Nacht hieß es Aufstehen. Mit dem Bus ging es zum Startort, des 72.7 km langen Supermarathon, auf dem Marktplatz in Eisenach. Über dem Startgelände kreist ein Hubschrauber. Vom beschaulichen Landschaftslauf für eine handvoll Langstreckenfreaks, ist der Rennsteiglauf zu dem Event des Thüringer Waldes gewachsen. Fast 15000 Läufer, Wanderer und Rollis stellen sich der Herausforderung Rennsteig. Auf der Königsstrecke, dem Supermarathon, sind 1490 Höhenmeter zu bewältigen. Die Startnummern für die Nachmeldungen gingen sogar aus, so dass die letzten Nachgemeldeten ohne Startnummer, aber mit Chip auf die Strecke geschickt worden.

Peter Nußeck vor dem Start.Punkt 6 Uhr machen sich 1800 Läufer auf den langen Kanten. Nach der Fußgängerpassage geht es rasch aus Eisenach, rauf Richtung Rennsteig.Da bin ich Fan von.

Die ersten Höhenmeter versuche ich mit kontrollierter Offensive zu laufen. Selbst wenn nach 25 KM  der grosse Inselsberg, mit über 900 Meter über Meer, erreicht hat warten immer noch einige Überraschungen auf dem Höhenweg des Thüringer Waldes auf uns. Der ständige Wechsel von bergauf- und ab Passagen, lassen kaum einen gleichmäßigen Rhythmus zu.

Nach 30 KM kam meine erste Krise, die sich zu einem echten Hammermann entwickelte. Der sollte auf der verbleibenden Strecke mein treuer Begleiter sein. Bei den harmlosesten Steigerungen musste ich nun schon gehen. Es war nur eine Frage der Zeit, wann mich Daniela überholen würde.

 

Mit Sonja Knöpfli hatte sich die Siegerin der letzten beiden Hunderter von Biel gemeldet, die hier am Rennsteig natürlich als grosser Favorit bei den Frauen galt. Ich hatte sogar mit einem neuen Streckenrekord gerechnet. Den soll angeblich Markus Kramer bei den Männern vor dem Start angekündigt haben, was er später dementierte. Konnte mir auch nicht vorstellen, dass der mehrmalige Bielsieger den Mund so voll nehmen würde, zumal er die Strecke kannte.

Bei KM 47 hat mich Daniela eingeholt. Bis dahin war mir auf der gesamten Strecke keine einzige Läuferin begegnet. Sie lag zu diesem Zeitpunkt hinter Knöpfli an 2. Stelle, klagte aber über Magenprobleme und Krämpfe.

Der Weg führt uns zumeist durch dichten Nadelwald. Immer wieder feuern und Zuschauer an der Strecke an. Bei Oberhof, KM 55, steht der Wirt unserer Pension, der selber die Marathonstrecke auf dem Rennsteig 10x gelaufen ist. Daniela sei an 3. Stelle, mit Tendenz nach vorne, rief er mir begeistert zu. Die Region lebt den Rennsteiglauf. So fand sich sogar eine Möglichkeit, uns ein Frühstück morgens halb 4 bereit zu stellen.

Die Verpflegung unterwegs wird liebevoll angeboten. Neben dem erwähnten Schleim werden unter Anderem Fettbrote und Wurst gereicht. Eine Top-Ten Läuferin, die nach über 60 KM mit mir zeitgleich zu einer Verpflegung kam, fragte nach Bier. Mir als gutem Biertrinker käme es nicht in den Sinn, bei einem Wettkampf Bier zu trinken. Nach dem ich sah, wie die Läuferin den Becher Bier trank und mir schließlich davonlief, gilt es diese Strategie zu überdenken.  

Zeit und Platzierung waren mir schon lange egal. Zum Glück ging es die letzten knapp 10 KM bergab. So kam ich doch noch nach 7:22 Stunden ins Ziel in Schmiedefeld, immerhin in den ersten 20 Prozent aller Läufer. Daniela, 20 Minuten vor mir im Ziel, wurde 6. Frau! Bei diesem schweren Lauf eine sehr gute Platzierung.

Nach ein paar Tagen Abstand müssen wir uns eingestehen, den Rennsteig unterschätzt zu haben. Die vielen Rhythmuswechsel, etwas zu schnell gestartet, so mussten wir uns in Ziel quälen.

Der Rennsteiglauf ist kein Lauf wie jeder andere. Spätestens bei der Abschlussparty am Abend beim Zielgelände bekommte das auch der Letzte mit. Lauthals, auf den Bänken stehend, wir das „Rennsteiglied“ mitgesungen. Ein rauschendes Fest, man erkennt den verschlafenen Ort Schmiedefeld kaum wieder.

Wir kommen wieder zum Rennsteiglauf!    

Peter Nußeck

25.Mai 2007

 

 

© AZ-Tabloid / MLZ; 29.05.2007

Oberentfelden: Daniela Nusseck als Sechste am Ziel des Supermarathons

Kürzlich wurde der 35. Rennsteiglauf im grünen Herzen Deutschlands ausgetragen. Neben Marathon und kürzeren Läufen, ist die Königsstrecke der 72,7 km lange Supermarathon, bei dem 1490 Höhenmeter zu bewältigen sind. Die Schweizer stellten mit 40 Teilnehmern die stärkste ausländische Gruppe und setzten über den «langen Kanten» auf dem Höhenweg des Thüringer Waldes Akzente. Sonja Knöpfli, aus Winterthur, in den beiden vergangenen Jahren Siegerin beim 100-Kilometer-Lauf von Biel, siegte bei den Frauen souverän mit fast einer dreiviertel Stunde Vorsprung vor der Zweiplatzierten Claudia Stader. An dieser 2. Stelle lag während fast 50 km Daniela Nusseck aus Oberentfelden, bevor sie, von Krämpfen geplagt, das Tempo reduzieren musste, aber dennoch als Gesamtsechste einen schönen Erfolg beim grössten Landschaftslauf Europas feiern konnte. Damit war sie sogar 20 Minuten vor ihrem Mann Peter Nusseck im Ziel. Bei den Männern kam der mehrmalige Biel-Sieger Markus Kramer aus Meilen als 2. ins Ziel, knapp 8 Minuten hinter dem Deutschen Christian Stork. (P.N./az)

 

Die offiziellen Bilder des Supermarathon GutsMuths Rennsteiglauf

Daniel a und Peter Nußeck.

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